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Honigberger Festtrachten

Auzug aus: "Michael Konnerth: Honigberg. Eine siebenbürgische Gemeinde im Burzenland"

Im Unterschied zu den anderen deutschen Volkstämmen, bei denen man die Tracht meist nur noch in Museen bewundern kann, ist die Tracht der Siebenbürger Sachsen - vor allem in den ländlichen Gebieten - bis in unsere Gegenwart weitgehend lebendig geblieben. Auch nach der massiven Auswanderung der Siebenbürger Sachsen Anfang der 90er Jahre wird in Siebenbürgen die Tracht von den sächsischen Restbevölkerung an Sonn- und Feiertagen, von älteren Leuten auch werktags, noch getragen.

Der Hauptgrund für das Fortbestehen der siebenbürgisch-sächsischen Bauerntracht steht vor allem mit der bis ins Hochmittelalter zurückgehenden ethnischen Vielfalt Siebenbürgens im Zusammenhang, wo schon immer "die Menschen durch das Tragen der Tracht auch äußerlich ihre Volkszugehörigkeit bekunden" wollten. Angesichts der ethnischen Buntscheckigkeit Siebenbürgens war für die kleinen Volksgemeinschaften, wie beispielsweise die Siebenbürger Sachsen, eine organische Abgrenzung geradezu eine wesentliche Voraussetzung dafür, im siebenbürgischen Völkergemisch als ethnische Gruppe überhaupt überleben zu können.

Kindertracht

Die Vorschul- und Schulmädchen trugen die blaue Tracht. Ihr Kernstück bildeten der blaue Kittel und das vorne mit Blumensträußchen-Motiven bestickte Latzel. Hinzu kamen das bunt bestickte Haarband, das vorne meist bis zum Schürzensaum herunterhing, und die weiße, schwarz bestickte Schürze sowie das feine Trachtenhemd.

Die Jungen legten das schwarz bestickte weiße Hemd, den bunten Ledergürtel und das bunt bestickte Samthalstuch an.

Jugendtracht

Das Kernstück der von den konfirmierten Mädchen getragenen hellen Tracht bildete ein cremfarbiger, in enge, gouvrierte Falten gelegenen Rock, ein ebenfalls cremfarbiges Samtleibchen, mit Gold oder farbiger Seide bestickt, und der vergodete Spangengürtel. Als Kopfputz diente der Borten oder das rote Haarband. Im Nacken bildet das breite, bunt bestickte und cremfarbige Doppelsamtband eine querstehende Masche und fällt dann als Franse im Rücken bis weit unter die Gürtellinie herunter.

Der Junge trug die Jungen-, Burschen- und Männertracht.

Verheiratetes Paar in der Festtracht

Zur Frauentracht gehörte ein schwarzer, in falten gelegter Tuchrock, eine tamburierte, schmale, weiße Schürze, ein mit Faltenstickerei verziertes Trachtenhemd, der kostbare Spangengürtel, das seitlich geschlossene Samtleibchen und das schwarze Samthäubchen mit vorne und hinten herunterhängenden Samtbändern. Das goldbestickte Samthäubchen verfügt über eine aufrecht stehende Tüllspitze, welche in viele kleine Falten gelegt ist, das Gesicht umrahmt und wie ein Strahlenkranz wirkt.

Der Mann trägt hohe Schaftstiefel, schwarze Hose, schwarz besticktes Hemd, bunt verzierten Ledergürtel und bunt besticktes, schwarzes Samthalstuch.

Verheiratetes Paar in der Kirchentracht 

Auffällig sind die am dunkelblauen Kirchenmantel die blinkenden Silberheftchen auf der Brust und die kunstvoll ausgeführte Verschnürung an Kragen, Taschenlitzen und Ärmelaufschlägen.

Die Frau trägt die typische Frauentracht.

Älteres Paar auf einem Begräbnis 

Die Frau ist ganz in Schwarz gekleidet. Auch die vom schwarzen Spitzenhäubchen unter dem Kinn und vom Hinterkopf hängenden Samtbänder sind schwarz bestickt.

Zum dunkelblauen Kirchenmantel trägt der Mann den krempigen Trachtenhut mit dunklem Samtband.